Referenz
Neues Gasturbinen-Anlaufsystem für das Kraftwerk der EnBW in Altbach/Deizisau
Wie bekommt man einen Elefanten durch ein Porzellangeschäft – ohne eine einzige Vase zu beschädigen?
Juni 2026
Genau vor dieser Aufgabe standen wir bei der Modernisierung eines Gasturbinen-Anlaufsystems. In einem bestehenden Kraftwerksumfeld musste ein neues, leistungsstarkes Startsystem installiert werden – bei minimalem Platzangebot, engen Transportwegen und einem eng getakteten Abschaltfenster.
Für das Kraftwerk der EnBW in Altbach/Deizisau lieferten, installierten und nahmen wir ein Kompaktsystem in Betrieb, bestehend aus einem Stromzwischenkreisumrichter (LCI) TIBS MCL sowie einem Erregersystem TIBS XD3. Das SFC/SEE-System dient dem Anfahren einer Gasturbine mit einem 80/95-MVA-Generator, indem der Generator über einen statischen Frequenzumrichter beschleunigt wird, bis die Zündung der Turbine erfolgen kann. Der SFC-Teil muss eine Anfahrleistung von ca. 2,7 MVA liefern. Mit der gleichen Baugröße wären aber auch 5 MVA möglich.
Technischer Handlungsbedarf trifft auf räumliche Grenzen
Das im Mittelspannungsraum des Kraftwerks installierte Anfahrsystem hat seine Lebensdauer nach jahrzehntelangem Einsatz erreicht und erforderte somit einen Austausch.
Die Herausforderung:
- Stark eingeschränkte Transportwege durch andere in Betrieb befindliche Anlagenteile
- Keine ausreichenden Bewegungsflächen für großvolumige Transporteinheiten
- Enges Zeitfenster während einer geplanten Anlagenabschaltung
Ein konventioneller Ansatz hätte bedeutet, benachbarte Anlagenteile temporär außer Betrieb zu nehmen, zu demontieren und nach Abschluss der Arbeiten wieder zu installieren und in Betrieb zu nehmen. Das hätte zusätzliche Ressourcen, längere Stillstandzeiten und erhebliche Mehrkosten verursacht.
Engineering statt Demontage: Das System neu gedacht
In der Detailengineering-Phase haben wir den Ansatz grundlegend überdacht. Ziel war es, die Transporteinheiten so zu konzipieren, dass sie ohne Eingriff in bestehende Systeme durch die Engstellen eingebracht werden können.
Ein Turbinenstarter mit Erregersystem besteht typischerweise aus:
- Anfahrumrichter (SFC)
- SFC-Regler
- einem Thyristor-Eingangs-Gleichrichter,
- einem Zwischenkreis mit Drossel,
- einem Thyristor-Ausgangs-Wechselrichter sowie
- Erregersystem (SEE)
- einem oder redundanten SEE-Regler
- Thyristor-Gleichrichter
Die zentrale Idee bestand darin, die bislang einteilige Zwischenkreisdrossel konstruktiv in zwei kompaktere Einzeldrosseln aufzuteilen, sowie die Thyristormodulfahrwägen und deren Luftführung platztechnisch zu optimieren. Dadurch konnten deutlich kleinere Transporteinheiten realisiert werden, die exakt durch die vorhandenen Engpässe passten.
Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung war die enge Zusammenarbeit mit unserem langjährigen Partner ELHAND Transformatory Sp. o. o., der die technische Optimierung hinsichtlich des Bauraums und elektrischer Performance intensiv mit uns abstimmte. Einige Iterationsschleifen im Design führten schließlich zu einer Lösung, die sowohl die mechanischen Randbedingungen als auch die elektrischen Spezifikationen vollständig erfüllte.
Messbare Effizienzgewinnung durch präzise Planung
Die gewählte Lösung führte zu einer signifikanten Reduzierung der Umrüstungs- und Installationskosten, da auf aufwendige Demontage- und Remontagearbeiten angrenzender Systeme verzichtet werden konnte.
Darüber hinaus profitieren unsere Kunden von unserem simulationsbasierten Inbetriebnahmeansatz:
- Einsatz detaillierter Maschinenmodelle
- Ableitung und Vorvalidierung der Regelungsalgorithmen
- Übertragung auf unsere Umrichterkontrolleinheiten (TIBS SC1200/1250 bzw. TIBS SC1600)
Das Resultat sind deutlich verkürzte Inbetriebnahmezeiten und ein minimiertes Projektrisiko. Die Netto-Inbetriebnahmezeit des kompakten SFC/SEE-Systems lag bei weniger als fünf Tagen – ein außergewöhnlich kurzer Zeitraum für ein Projekt dieser Größenordnung.
Unser Dank gilt EnBW für das entgegengebrachte Vertrauen und die partnerschaftliche Zusammenarbeit bei der Umsetzung dieses anspruchsvollen Stromrichterprojekt
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